Fortgeschrittene
Lektion 11
4 min

Was sind Smart Contracts und wie funktionieren sie?

Wie du in der Academy für Anfänger gelernt hast, sind Smart Contracts geradezu der Treibstoff für das Wachstum des Ethereum-Netzwerks. Das Ziel von Ethereum ist die Erweiterung von Anwendungen für Blockchains. 

  • Ein Smart Contract ist eine sich selbst erfüllende digitale Darstellung eines traditionellen Vertrags
  • Die Idee der Smart Contracts wurde 1994 von Nick Szabo vorgestellt, um Risiken für Vertragsparteien zu verringern
  • Das Ethereum-Netzwerk hat Smart Contracts in großem Maßstab populär gemacht
  • Ein Smart Contract ist die Grundlage jedes ICOs

In dieser Lektion lernst du über Smart Contracts. 

Was sind Smart Contracts?

Die frühesten Vorläufer von Smart Contracts waren Bezahl-Terminals bei Kassen in Geschäften und Verkaufsautomaten. Bei einem Verkaufsautomaten gibst du zum Beispiel den Geldbetrag ein, der dem angegebenen Preis für den gewünschten Artikel entspricht, und innerhalb weniger Augenblicke erhältst du deinen Artikel direkt über einen Schlitz am Boden des Automaten.

Somit werden sowohl der Empfang der Zahlung als auch die Freigabe des Artikels im Kaufprozess automatisiert. Im Wesentlichen werden Smart Contracts eingesetzt, um Prozesse wie Zahlungsvorgänge automatisch in digitalisierter Form auszuführen und abzuschließen.

Sowohl der Empfang der Zahlung als auch die Freigabe des Artikels im Kaufprozess sind automatisiert. 

Digitalisierte Ausführung

Im Jahr 1994 kam Nick Szabo, ein angesehener Kryptograph und Ethereum-Experte, auf die Idee Computerprotokolle zu verwenden, um die Ausführung von Verträgen über Computernetzwerke zu unterstützen. Dazu schrieb er einen Blogartikel, der im Deutschen etwa dem folgenden entspricht: 

Smart Contracts reduzieren die mentalen und tatsächlichen Transaktionskosten, die entweder durch Auftraggeber, dritte Parteien oder deren Arbeitsmittel verursacht werden. Die vertraglichen Phasen der Anfragen, Verhandlungen, Verpflichtungen, Leistungen und Entscheidungen fallen in den Bereich der Smart Contracts. Dieser Artikel beschreibt alle Phasen mit Schwerpunkt auf Leistungen. Smart Contracts verwenden Protokolle und Benutzeroberflächen, um alle Schritte eines Vertragsprozesses zu vereinfachen. Das erschließt uns bei der Formalisierung und Absicherung digitaler Beziehungen neue Möglichkeiten, die weitaus effizienter sind als ihre leblosen Vorfahren auf Papierbasis.“

Unveränderbare Verträge verfasst in Programmiersprache

Ethereum Smart Contracts sind sich selbst erfüllende, unveränderbare Verträge, die in Programmiersprache codiert sind. Sie sind exakt, unveränderbar und auf keine dritten Parteien angewiesen. Ethereum ist für diese Anwendungen die Technologie der Wahl, da es aufgrund der eingeschränkten Skriptfunktion von Bitcoin vorzuziehen ist.

In gewisser Weise erinnern Smart Contracts an die digitale Darstellung herkömmlicher Verträge. Im Wesentlichen jedoch sind sie eine Sammlung von Funktionen und Daten, die auf bestimmten Adressen in der Blockchain gespeichert sind. Je nach Implementierung eines Smart Contracts können Daten mit Hilfe bestimmter Funktionen abgefragt werden, um beispielsweise zu überprüfen, ob ein Konto Zugriff auf zu überweisende Beträge hat.

Ethereum Smart Contracts sind sich selbst erfüllende, unveränderbare Verträge, die in Programmiersprache codiert sind.

“Mentale Transaktionskosten” und “Market Translators”

Szabo argumentierte, dass “mentale Transaktionskosten” (engl.mental transactions costs) - nämlich die Denkprozesse eines Verbrauchers vor einer Kaufentscheidung - eine viel größere Hürde bei der Vereinbarung über Vertragsbedingungen darstellen als eigentliche rechnerische Transaktionskosten. Bevor Nutzer eine Kaufentscheidung treffen, müssen sie Kosten und Nutzen abwägen. Smart Contracts lösen dieses Dilemma, da sie programmiert sind, gemäß bestimmten Vertragsbedingungen wie Preissignalen, Kundenpräferenzen oder jedem gewünschten Umstand oder Ereignis auf ein Umfeld reagieren.

Sogenannte “market translators”, Vermittler von Marktbedingungen in ihrer einfachsten Form empfangen automatisch Marktpreise und übermitteln einen Teil der Konditionen der Anwender, bevor sie den “Quellvertrag“ (engl. source contract) in den “Zielvertrag“ (engl. target contract) “übersetzen“. Szabo skizziert dies in der Analogie von Alice und Bob, die über Market Translators auf der Grundlage ihrer Konditionen und Marktpreise verhandeln, bis der Smart Contract ausgeführt wird.

 

Anwendungsfälle für Smart Contracts

Ein Smart Contract besteht also aus Computercode und ist ein Vertrag, der sich selbst erfüllt, sobald bestimmte Bedingungen eintreten. Das Anwendungsspektrum ist breit. In erster Linie eignen sich Smart Contracts hervorragend für den Einsatz im Bereich der Finanzdienstleistungen und im Bankwesen, beispielsweise für Zahlungen, Abrechnungen und Hypotheken. 

Weitere potenzielle Anwendungsfälle bieten Bereiche, in denen Vorhersagen und Treuhandgeschäfte erforderlich sind, z. B. die Auszahlung von Geldern für den Fall, dass bestimmte Bedingungen eintreten sowie Versicherungsansprüche und Nachlässe. Smart Contracts erleichtern entsprechende Verfahren und es ist nicht länger ein Mittelsmann zur Ausführung erforderlich. Die weitläufige Verbreitung der Smart Contracts begann mit dem Aufkommen von ICOs, bei denen Smart Contracts transparente und faire Bedingungen für den Verkauf von Token ermöglichen.

Smart Contracts eignen sich hervorragend für den Einsatz im Bereich der Finanzdienstleistungen und im Bankwesen, beispielsweise für Zahlungen, Abrechnungen und Hypotheken. 

Da der Vertrag genauso erfüllt ist, wie er programmiert wurde und niemals geändert werden kann, kann sich die Unveränderbarkeit eines Smart Contracts im Negativfall auch als Fluch statt als Segen herausstellen. Daher bergen Fehler im Code eines Smart Contracts auch Risiken und Konsequenzen, zum Beispiel, dass der falsche Betrag an den falschen Empfänger ausgezahlt wird.

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WEITERFÜHRENDE LITERATUR

BÜCHER

  • Braegelmann, Tom und Kaulartz, Markus - Rechtshandbuch Smart Contracts
  • Hanzl, Martin - Handbuch Blockchain und Smart Contracts
  • Wilkens, Robert und Falk, Richard - Smart Contracts: Grundlagen, Anwendungsfelder und rechtliche Aspekte

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