Was ist Krypto-Trading mit Hebel?
Beim Krypto-Trading mit Hebel setzt du nur einen Teil des Handelswerts aus eigener Tasche ein. Den Rest stellt dir der Broker oder die Plattform als geliehenes Kapital zur Verfügung. Dein Einsatz dient dabei als Sicherheit, die sogenannte Margin. So kannst du eine größere Position bewegen, als es dein Eigenkapital allein zulassen würde.
Das mathematische Verhältnis zwischen dem gesamten Positionswert und deinem Einsatz bestimmt dabei den Multiplikator. Ein Hebel von 10x bedeutet beispielsweise, dass deine Krypto-Position das Zehnfache deines tatsächlichen Einsatzes wert ist. Beachte jedoch, dass dieser Mechanismus niemals die Richtung des Marktes ändert, sondern ausschließlich die Auswirkung auf dein Kapital verstärkt: Steigt der Kurs, vervielfacht sich dein Gewinn – fällt der Kurs, wächst dein Verlust im exakt gleichen Maße.
Rechenbeispiel: 10x-Hebel bei Krypto in der Praxis
Angenommen, du setzt 100 Euro Eigenkapital ein und eröffnest eine Bitcoin-Position mit einem Hebel von 10x. Damit bewegst du eine Position im Wert von 1.000 Euro.
Steigt der Bitcoin-Kurs um 5%, gewinnst du nicht 5 Euro, sondern 50 Euro – du erzielst also eine Rendite von 50% auf deinen Einsatz.
Fällt der Bitcoin-Kurs in dieser vereinfachten Rechnung um 10 %, wäre dein eingesetztes Kapital rechnerisch aufgebraucht. In der Praxis kann eine Liquidation aufgrund der Liquidationsschwelle und aufgelaufener Gebühren bereits früher erfolgen.
An diesem Beispiel siehst du das Grundprinzip: Je höher der Hebel, desto kleiner ist die gegenläufige Kursbewegung, die deinen Einsatz stark reduziert. Die Werte von 10 % bei 10x und 20 % bei 5x sind theoretische Näherungen; der tatsächliche Liquidationspreis hängt unter anderem von der Margin, der Liquidationsschwelle und laufenden Gebühren ab.
Welche Hebelprodukte gibt es beim Krypto-Trading?
Hebelwirkung ist nicht gleich Hebelwirkung. Je nach gewähltem Finanzprodukt besitzt du die Kryptowährung entweder als echten Vermögenswert oder du tradest lediglich ein Derivat auf deren Kursentwicklung. Genau dieser feine Unterschied entscheidet maßgeblich über dein Gesamtrisiko.
Margin Trading mit echten Kryptowährungen
Beim Margin Trading leihst du dir zusätzliches Kapital, um eine größere Position direkt am Spotmarkt zu eröffnen. Du handelst dabei das tatsächliche Krypto-Asset und keinen Derivatevertrag. Bei Bitpanda verbleiben die Assets während der offenen Position jedoch im Margin-Wallet und können in dieser Zeit weder ausgezahlt noch getauscht, gestakt oder anderweitig verwendet werden. Für das geliehene Kapital fallen fortlaufend Finanzierungsgebühren an.
Dieses Konzept unterscheidet sich von klassischen Differenzkontrakten (CFDs): Bei einem CFD besitzt du die Kryptowährung nicht, sondern handelst einen Vertrag, dessen Wert von der Kursentwicklung abhängt. Beim spotbasierten Margin Trading wird dagegen das tatsächliche Krypto-Asset gekauft. Bei Bitpanda sind derzeit ausschließlich Long-Positionen verfügbar.
Gehebelte Token und ähnliche Hebelprodukte
Gehebelte Token oder ähnlich strukturierte Hebelprodukte bilden die Kursentwicklung eines Basiswerts mit einem festgelegten Faktor ab. Je nach Anbieter handelt es sich rechtlich jedoch nicht zwingend um einen echten Token oder um den zugrunde liegenden Kryptowert. Prüfe daher die konkrete Produktstruktur, Rebalancing-Regeln, Gebühren und automatische Schließmechanismen.
Der Haken steckt im Detail: Damit der Faktor möglichst konstant bleibt, werden viele dieser Produkte regelmäßig neu gewichtet, das sogenannte Rebalancing. In stark schwankenden Märkten kann das zum Volatility Decay, also einem schleichenden Wertverlust, führen. Steigt der Kurs an einem Tag um 10 % und fällt am nächsten um 9 %, steht der Basiswert fast wieder am Ausgangspunkt, das gehebelte Produkt kann aber bereits verloren haben. Solche Produkte sind daher in der Regel eher für kurzfristige Strategien konzipiert und können bei längerer Haltedauer deutlich vom mehrfachen Ergebnis des Basiswerts abweichen.
Futures und Perpetuals
Futures und Perpetuals sind Derivate. Du besitzt die Kryptowährung nicht, sondern spekulierst über einen Vertrag auf ihren Kurs.
Klassische Futures sind Terminkontrakte, die an ein festes Ablaufdatum gebunden sind, an dem die Position automatisch und verbindlich abgerechnet wird.
Perpetual Futures laufen hingegen zeitlich unbegrenzt weiter und nutzen regelmäßige Ausgleichszahlungen zwischen den Marktseiten - die sogenannte Funding Rate -, um den Vertragskurs möglichst nahe am Spotpreis zu halten.
An spezialisierten Börsen werden bei diesen Produkten teilweise Hebel von 100x oder mehr angeboten. Schon kleine Gegenbewegungen können dann zu hohen Verlusten oder zur Liquidation führen. Solche Produkte sind besonders komplex und risikoreich. Zu den möglichen Einsatzzwecken gehören:
Arbitrage: Trader nutzen Preisunterschiede zwischen verschiedenen Märkten aus.
Absicherung (Hedging): Mit einer Gegenposition kannst du bestehende Bestände teilweise gegen mögliche Verluste absichern.
Spekulation: Du setzt auf Kursbewegungen, ohne den zugrunde liegenden Coin oder Token selbst zu halten.
Hochfrequenz-Trading: Algorithmen führen in kurzer Zeit eine große Zahl an Trades automatisiert aus.
Liquidation: das größte Risiko beim Krypto-Hebel
Das größte Risiko beim Krypto-Trading mit Hebel hat einen Namen: Liquidation. Sie tritt ein, wenn der Wert deiner Position nicht mehr ausreicht, um die Liquidationsschwelle einzuhalten. Die Plattform schließt die Position dann automatisch, um geliehene Beträge und aufgelaufene Gebühren zurückzuführen. Das kann zu einem Teil- oder Totalverlust deines Einsatzes führen. Bei Bitpanda werden nach Abschluss der Liquidation verbleibende Krypto-Assets deinem Krypto-Wallet gutgeschrieben. Weil der Kryptomarkt rund um die Uhr läuft und stark schwanken kann, kann eine solche Zwangsliquidation schnell eintreten.
Je nach Plattform helfen dir unter anderem Margin Level, Liquidationsschwelle und Warnmeldungen dabei, den Zustand deiner gehebelten Krypto-Position einzuschätzen:
Das Margin Level beschreibt, wie gut deine Position durch ihren aktuellen Wert gedeckt ist. Bei Bitpanda wird es als Positionswert geteilt durch den geliehenen Betrag plus aufgelaufene Gebühren berechnet.
Die Liquidationsschwelle ist das für das jeweilige Asset festgelegte Mindest-Margin-Level. Wird sie erreicht oder unterschritten, kann die Position automatisch geschlossen werden.
Ein Margin Call ist eine Warnung, dass sich deine Position der Liquidationsschwelle nähert. Er ist keine Garantie dafür, dass dir vor einer Liquidation genügend Zeit zum Handeln bleibt.
Aus diesen Faktoren ergibt sich der angezeigte Liquidationspreis - also der Kurs, bei dem deine Position voraussichtlich die Liquidationsschwelle erreicht. Bei schnellen Marktbewegungen kann der tatsächliche Ausführungspreis davon abweichen. Dabei gilt:
Je höher dein Hebel gewählt ist, desto näher liegt dieser Preis an deinem Einstiegskurs und desto kleiner ist dein schützender Puffer gegen Marktschwankungen.
Mehr eigenes Kapital oder ein niedrigerer Hebel schieben den Liquidationspreis weiter weg und geben deiner Position mehr Spielraum.
Viele Krypto-Plattformen unterstützen dich mit visuellen Risikoanzeigen und Warnmeldungen. Verlasse dich jedoch nicht ausschließlich darauf, weil sich Märkte schnell bewegen können und Benachrichtigungen keine rechtzeitige Reaktion garantieren.