Fortgeschrittene
Lektion 9
5 min

Was ist der ERC20 Token Standard?

ERC20 ist der technische Standard für Smart Contracts, die zur Implementierung von Token in der Ethereum-Blockchain dienen.

  • Das Ethereum-Netzwerk ist neben Bitcoin das wichtigste Blockchain-Netzwerk und der ERC20 Standard ist das am häufigsten verwendete Format für die Entwicklung von Projekten, die Token aufbauen
  • Die Funktionen von ERC20 ergeben einen voll funktionsfähigen Smart Contract, der einen Token ausgibt und dessen Angebot und Umlauf ständig überwacht
  • ERC20 Token kann man sich wie Jetons vorstellen, die dem Besitzer Zugang zur Teilnahme an einem digitalen Ökosystem einräumen

In dieser Lektion lernst du über den ERC20 Token Standard. 

Der ERC20 Token Standard

Wie du bereits in unserer Lektion über Ethereum erfahren hast, ist eines der Ziele des Ethereum-Projekts, neben Peer-to-Peer Zahlungen weitere Anwendungsmöglichkeiten (Use Cases) für Blockchains zu entwickeln.

Das erfordert die Bereitstellung einer sicheren und vertrauenswürdigen Methode für Vertragsabschlüsse zwischen Unbekannten im Internet. Langfristig sollen herkömmliche Verträge durch die Verwendung von Smart Contracts kostengünstiger und gleichzeitig sicherer gemacht werden.

Stell dir einen Smart Contract wie einen Automaten vor. Du wirfst eine Münze ein und drückst den Knopf, der deiner Wahl entspricht. Die Maschine gibt dann automatisch den gewünschten Artikel frei. Diese Abfolge von Ereignissen passt perfekt zur Beschreibung eines Smart Contracts. Ein Smart Contract kann als ein Vertrag angesehen werden, der das Erfüllen von Vertragsbedingungen ohne menschliches Eingreifen überwacht und etwaige Vertragsverletzungen bestrafen oder verhindern kann.

Aus menschlicher Sicht und im Zusammenhang mit Ethereum ist ein Smart Contract einfach ein Code, der sein eigenes Bankkonto kontrolliert. Jede Person, jedes Computerprogramm und sogar andere Smart Contracts, die Zugriff haben, können mit diesem Code interagieren.

 

Welche Richtlinien stehen hinter dem ERC20 Standard?

Der ERC20 ist ein Standard für die Erstellung von Token in der Ethereum-Blockchain. In Zeiten vor ERC20 Token mussten Exchanges benutzerdefinierte Bridges zwischen Plattformen erstellen, um den Austausch von Token zu unterstützen. Daher wurden von einem Ethereum-Developer namens Fabian Vogelsteller sechs Regeln unter dem Begriff “ERC20” entwickelt und festgelegt, der für “ethereum request for comment” (dt. “Ethereum-Anfrage für Kommentar") steht.

In Zeiten vor ERC20 Token mussten Exchanges benutzerdefinierte Bridges zwischen Plattformen erstellen, um den Austausch von Token zu unterstützen.

Der ERC20 Standard bildet die Grundlage jedes voll funktionsfähigen ERC20 Smart Contracts. Der Smart Contract kann Token ausgeben und deren Angebot, Umlauf und Guthaben ständig überwachen.

Interoperabilität zwischen Smart Contracts

Damit ein Token mit ERC20 kompatibel ist, müssen zumindest die von ERC20 angegebenen Funktionen und Verhaltensweisen implementiert werden. Weitere Funktionalitäten können hinzugefügt werden, indem Funktionen implementiert werden, die nicht Teil des Standards sind.

Der Hauptzweck der Richtlinien des ERC20 Standards besteht darin, die Interoperabilität zwischen Smart Contracts zu fördern. Infolgedessen können alle Infrastrukturkomponenten wie Benutzeroberflächen, Exchanges und Wallets auf vorhersehbare Weise mit einem Vertrag verbunden werden.

Die Interoperabilität selbst wird erreicht, weil der ERC20 Standard ein “application programming interface”, eine Anwendungsprogrammierschnittstelle (API) einrichtet. Auf diese Weise können Dritte auf Informationen zugreifen und Transaktionen ausführen. Apps von Drittanbietern können für jeden ERC20 generisch programmiert werden, ohne dafür Vorkenntnisse über einen bestimmten Token zu benötigen. 

Die Welt der Finanzen verändert sich

Was ist der eigentliche Zweck der Tokenisierung von Assets? Zum einen kann fast alles, das als Eigentum definiert wird, auch tokenisiert werden - seien es Unternehmensanteile, Immobilien, Kunstwerke, Nutzungsrechte, Fahrzeuge ... die Liste kann anhand des Kriteriums Eigentum beliebig lang fortgesetzt werden.

Assets, die an traditionellen Börsen gehandelt werden, werden um zusätzliche handelbare Arten von Assets erweitert. Folglich bietet die Tokenisierung auch kleinen und mittelständischen Unternehmen Zugang zu Finanzmitteln, ohne dass dritte Parteien erforderlich sind. Aus diesem Grund wurde bei Initial Coin Offerings (ICOs) eine Vielzahl von ERC20-konformen Token ausgegeben. 

Fast alles, das als Eigentum definiert wird, auch tokenisiert werden - seien es Unternehmensanteile, Immobilien, Kunstwerke, Nutzungsrechte, Fahrzeuge ...


Initial Coin Offerings (ICOs)

ICOs oder Token-Verkäufe sind Online-Veranstaltungen, bei denen Investoren in der Hoffnung, dass ein Projekt erfolgreich sein wird, der Token an Wert gewinnt und/oder Renditen erzielt, Token als Gegenleistung für die Finanzierung eines Projekts erwerben. Die Initiatoren eines ICO - meistens die Projektgründer - benötigen wiederum Geld von Investoren, um das Projekt zu finanzieren. Zu den bislang größten ERC20 Token-Verkäufen zählen Projekte wie EOS und Tezos (XTZ)

Der größte Unterschied zwischen einem ICO und einem IPO (Initial Public Offering), bei dem Aktien eines Unternehmens an die breite Öffentlichkeit verkauft werden, besteht darin, dass Investoren eines ICO normalerweise keine Eigentumsanteile an dem Projekt erwerben. IPOs beinhalten auch umfangreiche Sorgfaltspflichten, während ICOs häufiger weniger Regulierungsvorschriften unterliegen. 

Wenn ein Asset “tokenisiert wird”, bedeutet dies, dass sein Wert durch Token digital dargestellt wird. Die Anzahl der Token kann beliebig festgesetzt werden. Daher ist es möglich, jedes Asset in sehr kleine Prozentsätze des Gesamtwerts zu ”unterteilen“. 

Dahingehend wird es vielen Menschen ermöglicht, in kleinste Anteile eines Assets zu investieren. Somit wird neuen Zielgruppen, die traditionell aufgrund unzureichender Geldmittel vom Anlagewesen ausgeschlossen waren, die Gelegenheit geboten, in Assets zu investieren.


Die Zukunft des ERC20 Standards

Nach einem ersten Boom im Jahr 2018 stiegen im Jahr 2019 sowohl die Akzeptanz des ERC20 Token Standards sowie auch die Anzahl von Anwendungen auf internationaler Ebene an. Die Verwendung von Ethereum Smart Contracts nimmt auch weiterhin zu. Die Bedingungen für ICOs und deren Umfeld unterliegen nun zunehmend strengerer Regulierungsvorschriften, in einigen Ländern sind ICOs inzwischen gänzlich verboten. 

Laut der Website Coin Metrics, einem Open Source-Anbieter von Netzwerkdaten, ist inzwischen bei der Implementierung der “nächsten Generation”, des ERC721 Standards ein starker Aufwärtstrend zu verzeichnen. Im Gegensatz zu den identischen Token von ERC20 kommt mit ERC721 eine Kategorie nicht fungibler (nicht austauschbarer) Token auf den Markt.

Nach Angaben von Coin Metrics ist die Anzahl der eingesetzten ERC721 Smart Contracts seit Anfang 2019 um fast 350% gestiegen. Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf die Beliebtheit des auf der Ethereum-Blockchain basierenden Tausch-Kartenspiels ”Gods Unchained“ zurückzuführen. Ohne Zweifel wird die Bedeutung von Token in vielen Branchen und in allen Lebensbereichen auch weiterhin zunehmen.

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WEITERFÜHRENDE LITERATUR

BÜCHER

  • Antonopoulos, Andreas M. Ethereum - Grundlagen und Programmierung
  • Egloff, Pascal und Turnes, Ernesto - Blockchain für die Praxis: Kryptowährungen, Smart Contracts, ICOs und Token

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