09/15/2026
5 Min. Lesezeit
ETF-Checkliste: So wählst du einen ETF aus

Kapitalverlustrisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht zurück.
Wenn du die Grundlagen börsengehandelter Fonds (ETFs) kennst, stellt sich oft die nächste Frage: Welcher ETF passt zu mir und meinen Investment-Zielen?
ETFs zu vergleichen, muss nicht kompliziert sein. Obwohl Tausende ETFs verfügbar sind, lassen sich die meisten anhand einiger weniger wichtiger Kriterien beurteilen.
Diese ETF-Checkliste zeigt dir, welche Faktoren du vor einem Investment berücksichtigen sollten. Ob du ein langfristiges Portfolio aufbauen oder einen ETF-Sparplan einrichten möchtest: Wenn du diese Punkte verstehst, kannst du fundiertere Investment-Entscheidungen treffen.
Worauf du bei der ETF-Auswahl achten sollten
Beim Vergleich von ETFs kannst du mit sechs zentralen Fragen beginnen:
Welchen Index bildet der ETF ab?
Welche Kosten fallen an?
Wie behandelt der ETF Erträge?
Wie hoch ist das Risiko?
In welcher Währung wird er gehandelt?
Hast du das Tickersymbol und die Identifikationsnummern geprüft?
Sehen wir uns die einzelnen Punkte genauer an.
1. Beginne mit dem Index
Der Index ist wahrscheinlich der wichtigste Faktor bei der Auswahl eines ETFs.
Die meisten ETFs bilden einen Index ab. Ein Index ist eine Zusammenstellung von Wertpapieren, die einen bestimmten Markt, ein Land, eine Branche, ein Thema oder eine Investment-Strategie repräsentiert.
Zum Beispiel:
Ein globaler Aktienindex bietet Zugang zu Unternehmen aus mehreren Ländern.
Ein europäischer Aktienindex konzentriert sich auf Unternehmen, die in Europa börsennotiert sind.
Ein Technologieindex bündelt Unternehmen aus dem Technologiesektor.
Ein Dividendenindex umfasst Unternehmen, die regelmäßig Dividenden ausschütten.
Der Index bestimmt, worin du investierst und beeinflusst damit wesentlich dase Risiko- und Renditeprofil deines Portfolios.
Bevor du Kosten oder andere Merkmale vergleichst, kannst du dir folgende Fragen stellen:
In welche Märkte möchtest du investieren?
Wie lang ist dein Anlagehorizont?
Passt der Index zu deinen Investmetn-Zielen?
Ein häufiger Fehler beim Vergleich ist, ETFs gegenüberzustellen, die völlig unterschiedliche Indizes abbilden. Deshalb ist es in der Praxis sinnvoll, zuerst den zugrunde liegenden Index auszuwählen und anschließend ETFs zu vergleichen, die diesen oder einen ähnlichen Index abbilden.
2. Prüfe die Kosten
Bei jedem ETF fallen laufende Kosten an.
Eine der am häufigsten verwendeten Kennzahlen ist die Gesamtkostenquote, auf Englisch „Total Expense Ratio (TER)“.
Die TER gibt die jährlichen Betriebskosten des ETFs an und wird direkt innerhalb des Fonds abgezogen. Du erhältst dafür keine gesonderte Rechnung; die Kosten spiegeln sich jedoch im Laufe der Zeit in der Wertentwicklung des ETFs wider.
Ein ETF mit einer TER von 0,10% verursacht in der Regel geringere laufende Kosten als ein ETF mit einer TER von 0,40%.
Neben den Kosten des ETFs können je nach Anbieter Gebühren für den Kauf, den Verkauf oder die Verwahrung deiner Investments anfallen
Beim Vergleich ähnlicher ETFs lohnt sich ein Blick auf die Gesamtkosten: Denn auch kleine Unterschiede können über lange Anlagezeiträume stärker ins Gewicht fallen.
ETF-Kostencheckliste
Du kannst:
✓ die TER ähnlicher ETFs vergleichen
✓ die Gebühren der Investment-Plattform gesondert prüfen
✓ die Gesamtkosten statt nur einer einzelnen Gebühr betrachten
✓ berücksichtigen, dass niedrigere Kosten einen ETF nicht automatisch besser machen
3. Verstehe, wie der ETF Erträge behandelt
Zwei ETFs, die denselben Index abbilden, können sich dennoch unterschiedlich verhalten.
Ein Grund dafür ist der Umgang mit den Erträgen aus den zugrunde liegenden Anlagen.
In der Regel gibt es zwei Varianten:
Thesaurierende ETFs
Thesaurierende ETFs legen Erträge automatisch wieder im Fonds an.
Dividenden oder andere Ausschüttungen werden verwendet, um innerhalb des ETFs weitere Assets zu erwerben. Viele langfristig orientierte Investoren bevorzugen diese Variante, weil das Geld investiert bleibt und sie so vom Zinseszinseffekt profitieren. Dabei können bereits erzielte Erträge weitere Erträge erwirtschaften, solange sie angelegt bleiben.
Ausschüttende ETFs
Ausschüttende ETFs zahlen Erträge nach einem festgelegten Zeitplan direkt an die Investoren aus. Manche Anleger bevorzugen diese Variante, wenn sie regelmäßige Einkünfte erhalten oder selbst entscheiden möchten, wie sie die ausgezahlten Beträge verwenden.
Keine der beiden Varianten ist grundsätzlich besser. Die richtige Wahl hängt von deinen Zielen und persönlichen Präferenzen ab.
4. Prüfe den Risikoindikator
Die meisten ETFs weisen einen Gesamtrisikoindikator (Summary Risk Indicator, SRI) auf einer Skala von 1 bis 7 aus.
Vereinfacht gilt:
Niedrigere Zahlen weisen in der Regel auf ein geringeres Gesamtrisiko hin.
Höhere Zahlen weisen in der Regel auf ein höheres Gesamtrisiko hin.
Der Indikator soll Investoren einen einheitlichen Produktvergleich ermöglichen. Nach den PRIIPs-Vorschriften berücksichtigt die Einstufung verschiedene Risikofaktoren, darunter das Marktrisiko und gegebenenfalls das Kreditrisiko.
Der Indikator ist jedoch keine Prognose für die künftige Wertentwicklung oder das künftige Risiko. Auch ein ETF mit niedrigerer Risikoeinstufung kann an Wert verlieren, während ein ETF mit höherer Einstufung in bestimmten Zeiträumen hohe Renditen erzielen kann.
Prüfe bei der Bewertung eines ETFs, ob das Risiko zu deinen Investment-Zielen, deinem Anlagehorizont und deiner Fähigkeit passt, Marktschwankungen auszuhalten. Liesaußerdem die vorgeschriebenen Unterlagen, etwa den Verkaufsprospekt und das Basisinformationsblatt (KID).
Kapitalverlustrisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht zurück. Risikomanagement kann das Risiko eines Anlageverlusts nicht vollständig ausschließen.
5. Verstehe die Handelswährung
Viele ETFs sind in mehreren Handelswährungen verfügbar, darunter Euro (EUR), britische Pfund (GBP) und US-Dollar (USD). Das sorgt besonders bei neuen Investoren häufig für Verwirrung.
Die Handelswährung ist lediglich die Währung, in der du einen ETF an einer Börse kaufst und verkaufst. Sie bestimmt nicht zwangsläufig, welche Assets der ETF hält.
Zwei Varianten desselben ETFs können beispielsweise in genau dieselben Unternehmen investieren, aber in unterschiedlichen Währungen gehandelt werden.
In vielen Fällen gilt:
Der Index bleibt identisch.
Die enthaltenen Positionen bleiben identisch.
Die Wertentwicklung wird weiterhin von denselben zugrunde liegenden Anlagen bestimmt.
Die gewählte Handelswährung beeinflusst somit hauptsächlich, wie der ETF gehandelt wird, und nicht, worin er investiert.
Die Rendite deiner Anlage kann aufgrund von Wechselkursschwankungen steigen oder fallen.
6. Prüfe Tickersymbol, ISIN und Wertpapierkennnummer
ETF-Namen können lang sein und sich stark ähneln.
Zudem kann es mehrere Varianten eines ETFs geben, die sich in folgenden Punkten unterscheiden:
Währung
Ertragsverwendung
Börsennotierung
Anteilsklasse
Prüfe deshalb vor der Anlage stets die Produktkennungen.
Tickersymbol
Ein Tickersymbol ist ein kurzer Börsencode, der einen bestimmten ETF an einer Börse identifiziert.
ISIN
Die International Securities Identification Number (ISIN) ist eine weltweit eindeutige Kennnummer für ein Finanzinstrument.
WKN
In Deutschland verwenden viele Investoren außerdem die Wertpapierkennnummer (WKN), einen sechsstelligen Code zur Identifizierung eines Wertpapiers.
Kontrolliere diese Kennungen vor dem Kauf noch einmal, damit du tatsächlich den gewünschten ETF auswählst.
Kurze Checkliste für die ETF-Auswahl
Bevor du in einen ETF investierst, kannst du folgende Punkte prüfen:
Frage | Warum sie relevant ist |
|---|---|
Welchen Index bildet der ETF ab? | Der Index bestimmt, in welche Märkte und Wertpapiere du investierst. |
Welche Kosten fallen an? | Kosten können die langfristige Rendite beeinflussen. |
Ist der ETF thesaurierend oder ausschüttend? | Das bestimmt, wie Erträge behandelt werden. |
Wie lautet die Risikoeinstufung? | Sie hilft dir einzuschätzen, ob das Risiko zu deiner Risikobereitschaft passt. |
In welcher Währung wird der ETF gehandelt? | So kannst du unterschiedliche Produktvarianten besser einordnen. |
Hast du Tickersymbol und ISIN geprüft? | Damit bestätigst du, dass du den gewünschten ETF ausgewählt hast. |
Wo findest du diese Informationen?
Die meisten dieser Angaben findest du im Factsheet des ETFs, im Basisinformationsblatt (KID), auf der Website des Emittenten oder im Verkaufsprospekt.
Wenn du diese Unterlagen vor dem Kauf liest, kannst du besser nachvollziehen, wie ein ETF funktioniert und wie er zu deiner gesamten Investment-Strategie passt.
Fazit
Bei der ETF-Auswahl geht es weniger darum, den „besten“ ETF zu finden, sondern darum, einen ETF zu finden, der zu deinen Investment-Zielen passt.
Beginne mit dem Index. Vergleiche anschließend Kosten, Ertragsverwendung, Risikoeinstufung, Währung und Produktkennungen. Mit dieser ETF-Checkliste kannst du Produkte nach einheitlichen Kriterien vergleichen und häufige Fehler vermeiden.
Je genauer du verstehst, was du kaufst, desto besser kannst du beurteilen, ob der ETF zu deinen Investment-Zielenielen und deiner Risikotoleranz passt.
Kapitalverlustrisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl fallen als auch steigen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht zurück.
Häufig gestellte Fragen
Können zwei ETFs mit demselben Namen tatsächlich unterschiedliche Produkte sein?
Ja. ETFs desselben Anbieters, die denselben Index abbilden, können in mehreren Varianten verfügbar sein. Diese können sich hinsichtlich der Handelswährung, der Ertragsverwendung, der Börsennotierung oder der Anteilsklasse unterscheiden. Prüfe vor dem Kauf immer die ISIN oder das Tickersymbol, damit du die gewünschte Variante auswählst.
Verändert die Handelswährung eines ETFs dessen Anlagen?
Nicht zwangsläufig. Zwei Varianten desselben ETFs können in unterschiedlichen Währungen gehandelt werden, obwohl sie genau dieselben Unternehmen enthalten und denselben Index abbilden. Die Handelswährung bestimmt, in welcher Währung du den ETF an einer Börse kaufst und verkaufst – nicht, worin der ETF investiert.
Bedeutet eine niedrigere Risikoeinstufung, dass ein ETF sicher ist?
Nein. Eine niedrigere Risikoeinstufung bedeutet nicht, dass ein Investment risikofrei ist. Der Gesamtrisikoindikator (SRI) bewertet das Gesamtrisiko eines Produkts auf einer Skala von 1 bis 7. Er ist keine Prognose der künftigen Wertentwicklung.
Auch ETFs mit niedrigerer Risikoeinstufung können an Wert verlieren und du könntest einen Teil deine Investments oder den gesamten investierten Betrag verlieren. Prüfe vor dem Kauf, ob das Risiko zu deinen finanziellen Zielen, deinem Anlagehorizont und deiner Toleranz gegenüber Marktschwankungen passt.
Sollte ich ETFs vergleichen, die unterschiedliche Indizes abbilden?
In der Regel ist es sinnvoller, ETFs zu vergleichen, die denselben oder einen sehr ähnlichen Index abbilden, da der Index einer der wichtigsten Einflussfaktorn für Risiko und Rendite ist. Der Vergleich von ETFs auf unterschiedliche Indizes ähnelt eher einer Entscheidung zwischen völlig verschiedenen Anlagen als einer Bewertung der jeweiligen Produktqualität.
Wo finde ich die Angaben, die ich für einen ETF-Vergleich benötige?
Das Factsheet und das PRIIPs-Basisinformationsblatt (KID) sind praktische Ausgangspunkte. Sie enthalten in der Regel Angaben zum abgebildeten Index, zu den Kosten, zum Risikoindikator und zur Ertragsverwendung. Auf der Produktseite des Emittenten findest du häufig auch Produktkennungen, verfügbare Anteilsklassen und Börsenplätze.