Was ist eine Kapitalmaßnahme?
Eine Kapitalmaßnahme beschreibt einen Prozess, mit dem ein Unternehmen seine Kapitalstruktur verändert. Dazu zählen Maßnahmen wie eine Kapitalerhöhung, eine Kapitalherabsetzung oder die Ausschüttung einer Dividende. Jede dieser Veränderungen wirkt sich auf das Unternehmen selbst und auch auf die Aktionäre aus, da sich die Zahl der ausgegebenen Aktien, das Grundkapital oder die Zusammensetzung des Eigenkapitals verändern kann. Kapitalmaßnahmen werden in der Regel im Rahmen der Hauptversammlung beschlossen und folgen den Vorgaben des Aktiengesetzes (AktG). Anleger sehen die Auswirkungen von Kapitalmaßnahmen häufig direkt im Depot, da sich Stückzahlen und Kurse verändern oder neue Wahlmöglichkeiten ergeben können.
Was ist eine Kapitalmaßnahme bei Aktien?
Kapitalmaßnahmen bei Aktien beziehen sich speziell auf Vorgänge, welche die Struktur oder Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien verändern. Dazu gehören Aktiensplits, eine Aktienzusammenlegung, die Ausgabe von Bezugsrechten oder ein Spin-off. Für Aktionäre können solche Maßnahmen eine neue Dividende, veränderte Eigentumsanteile oder zusätzliche Möglichkeiten im Depot bedeuten. Kapitalmaßnahmen bei Aktien können dazu führen, dass sich die Zahl der gehaltenen Anteile verändert oder neue Aktien hinzukommen.
Übersicht: Welche Kapitalmaßnahmen gibt es?
Unternehmen können verschiedene Arten von Kapitalmaßnahmen durchführen. Dazu zählen zum Beispiel Prozesse, welche die Anzahl der Aktien beeinflussen, neue Anteile ausgeben oder Gewinne verteilen.
Kapitalmaßnahmen lassen sich dabei in zwei Gruppen einteilen: Maßnahmen mit Wahlmöglichkeit für Aktionäre und Maßnahmen ohne Wahlmöglichkeit. Um einen besseren Überblick zu bekommen, haben wir dir hier eine Übersicht über die verschiedenen Kapitalmaßnahmen mit und ohne Wahlmöglichkeiten erstellt:
Kapitalmaßnahmen mit Wahlmöglichkeiten
Kapitalmaßnahmen ohne Wahlmöglichkeiten
Zum besseren Verständnis erklären wir die verschiedenen Kapitalmaßnahmen im Detail:
Aktiensplits
Ein Aktiensplit erhöht die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien und verringert gleichzeitig den Kurs pro Aktie im gleichen Verhältnis. Das Grundkapital des Unternehmens verändert sich dabei nicht. Durch einen Split wird eine Aktie meist günstiger und damit für Anleger leichter zugänglich. Auf Bitpanda wird der Trading-Prozess während der technischen Umsetzung beispielsweise kurz pausiert, bis die neue Stückzahl in den Depots angepasst ist.
Aktienzusammenlegung
Bei einer Aktienzusammenlegung wird die Anzahl der bestehenden Aktien reduziert, während der Kurs rechnerisch steigt. Auch hier bleibt das Grundkapital unverändert. Unternehmen nutzen diese Maßnahme oft, wenn der Aktienkurs über längere Zeit sehr niedrig war. Die Anpassung erfolgt in der Regel automatisch und führt zu einer neuen Stückzahl im Depot.
Fusionen und Übernahmen
Bei Fusionen oder Übernahmen verbinden sich Unternehmen, übernehmen einander oder gründen eine neue Gesellschaft. Für Aktionäre kann die Kapitalmaßnahme bedeuten, dass alte Aktien durch neue ersetzt werden oder festgelegte Austauschregeln gelten, zum Beispiel ein bestimmtes Umtauschverhältnis oder die Möglichkeit, ein Barangebot anzunehmen. Während des Prozesses kann der Trading-Zugang vorübergehend eingeschränkt sein, bis die neuen Strukturen feststehen.
Kapitalherabsetzung
Eine Kapitalherabsetzung reduziert das Grundkapital eines Unternehmens. Das kann erforderlich sein, um Verluste auszugleichen oder die Bilanz zu korrigieren. Häufig wird dabei die Anzahl der Aktien verringert. Aktionäre sehen anschließend eine veränderte Stückzahl oder einen angepassten Kurs im Depot.
Kapitalerhöhung
Bei einer Kapitalerhöhung gibt ein Unternehmen neue Aktien aus, um zusätzliches Kapital aufzunehmen oder bestehende Vermögenswerte in das Grundkapital zu überführen. Die neuen Anteile können an bestehende Aktionäre oder an neue Investoren ausgegeben werden. Wird die Kapitalerhöhung nicht über Bezugsrechte begleitet, kann sich der prozentuale Eigentumsanteil einzelner Aktionäre verringern. Dieser Effekt wird als Verwässerung bezeichnet. Neben der klassischen Barkapitalerhöhung nutzen Unternehmen auch eine Sachkapitalerhöhung, bei der Vermögenswerte wie Patente, Immobilien oder Beteiligungen in das Unternehmen eingebracht werden. Kapitalerhöhungen gehören zu den Kapitalmaßnahmen, die das Grundkapital unmittelbar erweitern und die Aktienstruktur verändern.
Ausschüttung von Dividenden
Bei einer Dividendenausschüttung verteilt ein Unternehmen Teile seines Gewinns an Aktionäre. Die Höhe und die Auszahlungstermine werden festgelegt und folgen bestimmten Stichtagen. Anleger erhalten die Dividende nur, wenn die Aktien im relevanten Zeitraum gehalten wurden. Die Ausschüttung von Dividenden ist eine klassische Kapitalmaßnahme, da sie den Kapitalfluss im Unternehmen und im Depot der Aktionäre beeinflussen.
Ausgabe von Bezugsrechten
Bei der Ausgabe von Bezugsrechten, auch Bezugsrechtsemission genannt, erhalten Aktionäre die Möglichkeit, neue Aktien zu einem festgelegten Preis zu erwerben. Die Option wird häufig im Rahmen einer Kapitalerhöhung angeboten und gewährt Anlegern die Chance, ihre bisherigen Eigentumsanteile zu wahren. In vielen Fällen kann ein Bezugsrecht auch verkauft werden, wenn es nicht ausgeübt werden soll.
Spin-offs
Bei einem Spin-off trennt ein Unternehmen einen Geschäftsbereich ab und überführt ihn in eine neue Gesellschaft. Der Spin-off selbst findet automatisch statt, sobald das Unternehmen ihn beschlossen hat, und führt dazu, dass bestehende Aktionäre in vielen Fällen neue Aktien des abgespaltenen Unternehmens erhalten. In einigen Fällen kann es zusätzlich Wahlmöglichkeiten geben, etwa wenn Anleger zwischen verschiedenen Verteilungsformen oder einer Barabfindung wählen können. Spin-offs erweitern häufig das Portfolio und führen zu neuen Positionen im Depot.
Aktiendividende
Bei einer Aktiendividende können Aktionäre neue Aktien statt einer Barauszahlung bekommen. Unternehmen nutzen die Form in der Regel, um Kapital im Unternehmen zu halten. Für Anleger bedeutet eine Aktiendividende, dass die Stückzahl im Depot steigt, ohne dass eine Zahlung erfolgt.
Übernahmeangebote
Ein Übernahmeangebot wird ausgesprochen, wenn ein Unternehmen die Anteile eines anderen übernehmen möchte. Aktionäre können entscheiden, ob sie ihre Aktien zum angebotenen Preis verkaufen. Es handelt sich daher um eine Kapitalmaßnahme mit Wahlmöglichkeit, da Anleger aktiv zustimmen oder ablehnen können.